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Senatsempfang aus Anlass des Internationalen Frauentages 2015 09 März um 20:15 Rathaus

Prof. Dr. h.c. Christa Randzio-Plath, Vorsitzende des Marie-Schlei-Vereins

Senatsempfang aus Anlass des Internationalen Frauentages 2015
09 März um 20:15 Rathaus

Der Internationale Frauentag 2015 verbindet drei Milliarden Frauen weltweit, aber auch die Weltgesellschaft in ihrem Engagement für Frieden, Gleichheit und Gerechtigkeit seit der Weltfrauenkonferenz in Peking vor 20 Jahren. Die Botschaft: Gleichstellung ist unteilbar und universal, Wir sind die Welt, wir sind die Frauen. Gebraucht werden starke Frauen und starke Frauen-programme. Die Erklärung und Aktionsplattform von Peking einten fast revolutionär die UN- Staaten auf 12 kritische Aktionsfelder wie die Bekämpfung von Armut und Gewalt und auf neue Strategien wie das Gender mainstreaming, Gender budgeting und Gender empowerment zur Umsetzung der Gleichstellung von Frau und Mann. Das Bündnis zwischen Frauen an der Macht und Frauennetzwerken funktionierte optimal. Bei der Umsetzung versagten die Regierungen kollektiv.

20 Jahre nach Peking gibt es zwar die politische und rechtliche Besserstellung, Fortschritte in der Bildung, aber kein Land der Welt, das die Gleichstellung der Geschlechter durchgesetzt hat. Die Bilanz Peking+20 ist ein Weckruf für alle: Armut bleibt sexistisch. Sparmaßnahmen treffen weltweit Frauen. Nur 22% der Abgeordneten sind Frauen. Dramatisch ist trotz der höheren Frauenerwerbsquote ihre Ausbeutung. Die Genderlücke beim Lohn, die menschenunwürdigen Arbeitsverhältnisse sind dafür ein Beispiel. Skandalös ist die erschreckend grausame Gewalt gegen Frauen, die häusliche und sexualisierte Gewalt die Gewalt gegen Frauen als Kriegswaffe.

Fortschritte gab es, sie waren zu langsam oder/und wenig nachhaltig. Finanz, Wirtschafts- und Ernährungskrisen oder Umwelt- und Gesundheitskatastrophen machten sie teilweise zunichte. Die zunehmende Verteilungsungerechtigkeit-85 Menschen besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung- und strukturelle Ungleichheit zwischen und innerhalb von Staaten wirken sich auch auf die Geschlechter Gleichstellung aus- auf Mädchen, besonders auf alleinerziehende

Eine neue transformative sozial und ökologisch nachhaltige Weltordnung muss es im neuen Weltordnungsrahmen, der UN- Post-2015-Agenda geben. Die UN-Staats- und Regierungschefs müssen im September in New York die Peking Aktionsplattform integrieren. Geschlechtergerechtigkeit und Gender empowerment müssen ein eigenständiges Ziel werden, das den Skandal Ungleichheit aus Gendersicht beendet, Frauen und Mädchen stärkt und Frauen Menschenrechte respektiert. Wenn Landfrauen in Entwicklungsländern über die gleichen Ressourcen wie Männer verfügen würden, würde es 150 Millionen weniger Hungernde geben. Wenn Frauen wie Männer erwerbstätig sein und bezahlt würden, könnte die Weltwirtschaftsleistung erheblich gesteigert werden.

Geschlechtergerechtigkeit ist eine Grundbedingung für globale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung. Die strukturellen Ursachen von Ungleichheit, Diskriminierung, Stigmatisierung und geschlechtsspezifischer Gewalt müssen überwunden und die sexuellen und reproduktiven Rechte von Frauen gesichert werden. Im Jahr der Entscheidung gilt: die UN-Staats- und Regierungschefs müssen den Planeten Erde gleichberechtigt machen, den Frauen gehört nicht nur die Hälfte des Himmel sondern auch die Hälfte der Erde.

Ehrung von Prof. Dr. h.c. Christa Randzio-Plath mit der Verleihung der Bürgermeister-Stolten-Medaille

Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg hat Prof. Dr. h.c. Christa Randzio-Plath mit der Bürgermeister-Stolten-Medaille ausgezeichnet. Am 23.02.2011 hat Hamburgs Senatorin für Wissenschaft und Forschung, Dr. Herlind Gundelach, die Medaille für den Senat überreicht.stolten5

Der Senat hat die Bürgermeister-Stolten-Medaille 1925 gestiftet, um Persönlichkeiten zu ehren, die durch ihr politisches Wirken bleibende Verdienste um die Freie und Hansestadt Hamburg erworben haben.

Zur Person:
Der Landesfrauenrat Hamburg e.V. hebt besonders ihr jahrzehntelanges großes Engagement für die Gleichstellung von Frauen und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen auf der Basis von Artikel 3 unseres Grundgesetzes hervor. Prof. Dr. h.c. Christa Randzio-Plath war maßgebliche Initiatorin der 1979 in Hamburg als erstem Bundesland eingerichteten Leitstelle Gleichstellung der Frau. Die erstmals 1981 stattfindende „Hamburger Frauenwoche“ ist entscheidend von ihr beeinflusst worden, ebenso wie seit 1986 das erste „Festival der Frauen“, der späteren „Hammoniale“. Sowohl in der Frauen- und Gleichstellungspolitik als auch im Bereich der Frauenkultur hat Prof. Dr. h.c. Christa Randzio-Plath viele Jahre Impulse gegeben und tatkräftig unzählige Projekte mit Frauen unterstützt.

Seit 2006 ist sie erste Vorsitzende des Landesfrauenrates Hamburg e.V., dessen Arbeit sie auch mit einer Reihe von hervorragenden Konferenzen und Veranstaltungen wesentlich beeinflusst hat. Sie bewirkte eine höhere Präsenz frauenpolitischer und genderrelevanter Themen in der Öffentlichkeit, u.a. durch mehrere viel beachtete Veröffentlichungen des Landesfrauenrats (u.a. 2010 „Frauen verdienen mehr“). Nicht zuletzt ist es ihr gelungen ein Bündnis aller Hamburger Frauenorganisationen, -verbände und -projekte zur gemeinsamen Vorbereitung und Durchführung der Aktionen anlässlich 100 Jahre Internationaler Frauentag am 8. März im Hamburger Rathaus und in der Handelskammer ins Leben zu rufen.

Bis 2004 war Prof. Dr. h.c. Christa Randzio-Plath 15 Jahre lang Abgeordnete des Europäischen Parlaments und in dieser Zeit u. a. Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Währung. Dabei hat sie maßgebend an der Einrichtung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und der Einführung des Euros mitgewirkt. Seit 2004 ist sie an der Universität Hamburg als Dozentin für europäische Wirtschafts- und Währungspolitik sowie für europäische Gleichstellungspolitik tätig. Seit 2005 berät Prof. Dr. h.c. Randzio-Plath die Europäische Kommission. Darüber hinaus ist sie als Mitbegründerin und Vorsitzende des Marie-Schlei-Vereins in Hamburg entwicklungspolitisch sehr engagiert und setzt sich in besonderem Maße zu Gunsten von Frauenausbildungsprojekten in Afrika, Asien und Lateinamerika ein. Zudem ist sie erste Vorsitzende des Landesfrauenrates Hamburg e.V.

Einen Lebenslauf und weitere Informationen zu den herausragenden Verdiensten von Prof. Dr. h.c. Randzio-Plath finden Sie auf dieser Homepage sowie unter www.landesfrauenrat-hamburg.de

100 Jahre Internationaler Frauentag 2011 – 100 Jahre schwesterliche Solidarität

Als im Frankreich des 18. und Großbritannien des 19. Jahrhunderts die Frauen gegen ihre Unterdrückung aufbegehrten und gleiche politische und bürgerliche Rechte sowie das Recht auf Bildung einforderten, war die internationale Solidarität sehr stark auf Europa beschränkt, mit den Streiks der Textilarbeiterinnen in New York und St. Petersburg wurden mehr Grenzen übersprungen, schwappte nach Australien, Neuseeland und Lateinamerika über. Aber erst seit dem Internationalen Jahrzehnt der Frau und der Proklamation des 8. März zum Internationalen Frauentag durch die Vereinten Nationen wurde aus dem Internationalen Frauentag ein weltweites Ereignis, das für Proteste und Forderungen nach Gleichberechtigung, Gleichstellung, Emanzipation und Gerechtigkeit weltweit genutzt wurde.

Der 8. März lebt weiter und muss weiter leben. Trotz aller beeindruckender Erfolge vom Frauenwahlrecht bis zur sexuellen Selbstbestimmung der Frau als Frauen- Menschenrecht und ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit- Frauen werden in keiner Region der Welt gleich behandelt. Und die geschlechtsbedingte Ungleichheit ist die soziale Ungleichheit, die Beziehungen in einer Gesellschaft am meisten beeinflusst, weil sie nicht nur eine individuelle, sondern auch eine strukturelle Ungleichheit ist, die eine gerechtere Welt verhindert.

Die Millenniumsziele der Vereinten Nationen, die bis zum Jahr 2015 erreicht sein sollen, können nicht erfüllt werden, wenn Geschlechtergerechtigkeit und Frauen Empowerment weiterhin so sträflich vernachlässigt werden. Ohne mehr Geschlechtergerechtigkeit und Frauenförderung, wird die absolute Armut nicht bekämpft werden. Frauen stellen 80% der in absoluter Armut lebenden Menschen und 70% der sog. Working poor. Mit der Zunahme von Hunger vor allem in ländlichen Gebieten durch Klimawandel, Dürren, Umweltkatastrophen, aber auch bewaffnete Konflikte, durch Landnahme durch Schwellenländer wie China und Indien, durch internationale Konzerne, aber auch durch die Nahrungsmittelspekulationen, wird Frauenleben und Frauen-Überleben wieder schwieriger. Viele Frauen haben nur eine Mahlzeit am Tag und müssen das alltägliche Überleben organisieren. Auch Mütter- und Säuglingssterblichkeit haben nicht wie zugesagt abgenommen. Größere Anstrengungen der Völkergemeinschaft sind gefragt. Die Selbstheilungskräfte des Marktes können die Grundbedürfnisse der armen Menschen nicht erfüllen helfen- das haben die vergangenen Jahrzehnte gezeigt. Hilfe zur Selbsthilfe bleibt erforderlich als Beitrag zur schwesterlichen Solidarität.

Inzwischen wird auch der Anteil weiblicher Migranten immer größer, der mit dem Angebot der eigenen Arbeitskraft einen Beitrag zur Armutsüberwindung und Überwindung von Unterentwicklung leistet. 50% der Migranten sind schon Frauen. Sie übernehmen in den Industriestaaten die Sorgewirtschaft und machen vielen Frauen in Europa und USA die Vereinbarkeit von Beruf und Familie möglich. Gleichzeitig sind sie Devisenbringerinnen für ihre Heimatländer und finanzieren mit ihren Überweisungen von nahezu 75 ihrer Verdienste die Schulbildung und gesundheitliche Versorgung der Kinder, das Studium, aber auch den Bau eines Hauses für die Familie. Deswegen ist es so wichtig, auch den Zusammenhang zwischen Migration und Entwicklung aus Frauensicht zu betrachten. Gerade Frauen in den nachgefragten Gesundheitsberufen haben große Chancen. Und nicht immer ist der „brain drain“ für Entwicklungsländer von Nachteil. Durch Migration kann es für Entwicklungsländer auch zu „brain gain“ kommen. Aber die Bedingungen müssen stimmen- die menschenrechtlichen und arbeits- sowie sozialrechtlichen Grundbedingungen müssen gewährleistet werden. Migrantinnen aus Entwicklungsländer müssen besonders vor Ausbeutung beschützt werden. Diese neue Herausforderung am 8. März 2011 muss angenommen, die UN- Konvention zum Schutz von MigrantInnen muss überall in Deutschland und Europa gelten und die Europäische Union muss gemeinsame Migrationskonzepte entwickeln, die die Europäische Union nicht zu einer Festung Europa machen.